Test: Xiaomi Amazfit BIP GPS-Uhr für 50 Euro

Was kann eine GPS-Uhr, die es schon durch diverse Aktionen für unter 50 Euro zu kaufen gibt? Diese Frage stellte ich mir und musste auch nicht lange überlegen und bestellte mir eine Amazfit BIP – durch diverse Coupons – für rund 45 Euro. Das Modell hat eigentlich immer durchgehend gute Bewertungen erhalten und somit wollte ich selbst testen, ob die Genauigkeit bzw. die Funktion mit meiner Garmin Forerunner 235 Uhr mithalten kann. Hier in diesem Beitrag werde ich nun berichten.

Schaut man sich im Internet etwas um, stößt man auf mehrere positive Rezessionen zu dieser Uhr. Bei einer Aktion hatte ich die Möglichkeit eine solche mit Versand aus Europa zu einem Preis von rund 45,- € zu erstehen – inkl. einem zweiten Armband in schwarz / orange. Ich zögerte nicht lange und habe mir eine bestellt. Innerhalb von 3 Tagen war die Uhr des Herstellers Huami, welcher für Xiaomi produziert, auch bei mir. Geliefert wird diese in einem schicken weißen Karton:

Also erstmal aufladen und einschalten. Zum Laden kommt hier ein ganz schicker Ständer mit, so kann man die Uhr auf dem Schreibtisch laden und hat sie im Blick. Auf der anderen Seite ist ein bekannter USB-Anschluss, ein Netzteil wird nicht mitgeliefert.

Die Armbänder sollen übrigens kompatibel zu der Garmin 20mm Quick-Release Serie sein, wie sie bei der Forerunner 645, Vivoactive 3, Forerunner 245 etc. zum Einsatz kommt. Das konnte ich allerdings noch nicht testen.

Eingerichtet wird diese Uhr über die App „Mi Fit“ auf dem Smartphone. Diese ist auch für die Synchronisation des bekannteren „Mi Band“, oder der Xiaomi Waage nötig. Die Einrichtung geht schnell und schon ist die Uhr einsatzbereit. Serienmäßig hat man die Auswahl von mehreren Watchfaces, also Ziffernblättern:

Im Internet gibt es noch zahlreiche andere zum download. Ich habe mich für folgendes entschieden:

An Fitnesstracker-Funktionen kann die Uhr Schritte zählen, die Herzfrequenz messen und die verbrannten Kalorien zählen. Ach ja, eine zurückgelegte Distanz wird auch gezählt, allerdings ist mir nicht ganz klar auf welcher Grundlage. Auch auf die Angabe der Schritte würde ich nicht sehr viel geben. So werden bei meiner täglichen Autofahrt auf die Arbeit immer jeweils 200-300 Schritte gezählt und das ich im Auto laufe, wäre mir neu. Ebenso bekomme ich auch im Schlaf immer schon rund 100 Schritte aufgedrückt. Ok, irgendwo muss man ja wohl Abstriche machen. Wichtig war mir ja die Aktivitätenaufzeichnung in Verbindung mit GPS.

Schauen wir uns mal das Menü an. Hier gibts recht wenig, was allerdings ja auch nicht unbedingt schlecht sein muss.

Zusätzlich noch Wetter, Alarm, Timer und Compass.

Über Status kann man seine tägliche Zusammenfassung abrufen, also die Anzahl der Schritte, verbrannte Kalorien, etc.

Über Settings kann man einige wenige Einstellungen treffen, genauer gesagt gibt es hier die Punkte: Watch Face (Ziffernblatt ändern), Long button press (Ausgeführte Aktion bei einem langen Druck auf den Knopf), Adjust Brightness (Helligkeit regulieren in 5 Schritten), Find device (Smartphone suchen), About (Infos über die Uhr), Factory Reset (Werkseinstellungen wiederherstellen), Turn off (Ausschalten).

Ich glaube Wetter, Alarm, Timer und Compass sind selbsterklärend, also komm ich nun zum Hauptpunkt Activity, unter dem man neue Aktivitäten aufzeichnen oder sich vorhandene ansehen kann. Welche Aktivitäten gibt es?

Outdoor Running (Laufen), Treadmill (Laufband), Cycling (Fahrrad fahren) und Walking (Gehen). Ich hatte allerdings nur Laufen und Fahrrad fahren ausprobiert. Des Weiteren findet man unter diesem Menüpunkt auch noch Activity history und Activity settings. Als Einstellungen sind heir allerdings nur möglich:

Auto-Pause und einige Alarme. Trainingsseiten oder Datenfelder können nicht editiert werden können. Generell gibt es drei Datenseiten. Auf der ersten Hauptseite sieht man den Timer, die Geschwindigkeit / Pace, die Distanz und die am Handgelenk ermittelte Herzfrequenz mit der entsprechenden Zone.

Ein externer Brustgurt kann übrigens nicht verbunden werden. Auf Datenseite zwei sieht man Infos wie die Schrittlänge, Frequenz etc. Auf der dritten Seite geht es nur um die Höhe: Aktuelle Höhe, Aufstieg und Abstieg. Während der Aktivitäten lies sich das Display übrigens immer gut und klar ablesen. Bei jedem vollen Kilometer meldete sich bei mir auch die Uhr mit einem kurzen vibrieren und teilte mir Pace und Zeit mit. Hat man eine Aktivität beendet, so erscheint eine kurze Zusammenfassung, welche man sich allerdings auch später im Protokoll, also unter Activity -> Activity history ansehen kann, denn hier sind alle Aktivitäten gelistet:

In der Einzelansicht bekommt man einen Kartenumriss angezeigt, gefolgt von einigen Daten, wie man sie auch erwarten würde. Zur Genauigkeit der Herzfrequenz kann ich nicht so viel sagen, da ich meine Vergleichsuhr normal immer mit Pulsgurt betreibe und hier zu vergleichen fände ich nun etwas unfair. Aber: Immer wenn ich mal darauf geachtet habe, war die Anzeige doch recht ähnlich, vielleicht mal so 3-8 Schläge auseinander.

Kommen wir nun aber mal zur GPS-Genauigkeit. Die Xiaomi Uhr kann GPS und GLONASS. Hier kann man auch nichts einstellen. Also hab ich meine Vergleichsuhr, die Garmin Forerunner 235 auch auf GPS und GLONASS eingestellt. Während der Aktivität hatte ich immer ein positives Gefühl, die Meldungen der ganzen Kilometer kamen immer recht syncron. Mal war die Garmin schneller, mal die Amazfit. Die Länge war auch bei beiden im großen und ganzen identisch. Komischerweise war die Pace der Amazfit mehr am schwanken und am Ende auch schneller.

Schauen wir uns aber mal drei Tracks im Vergleich an. Los geht es mit einer kleinen 5km Runde durch ein Industriegebiet und an der Ruhr entlang. Hier muss ich übrigens bemerken, dass ich keine Möglichkeit gefunden habe auf iOS mit der Mit Fit App eine Aktivität zu exportieren. Hier brauchte ich eine Hilfsapp, hierzu aber später mehr.

Direkt auffällig finde ich hier, die exportierte Aktivität fängt erst später an, wie auf dem mittleren Bild zu erkennen ist. In der Übersicht sieht alles noch ganz gut aus, nur beim genaueren Betrachten sieht man häufiger Abweichungen, wie auf dem dritten Bild z.B., auch wenn hier zu größeren Gebäuden viel Platz war, scheinbar konnte das Signal nicht genau ermittelt werden.

Nächster Test: Eine Runde über die Nordbahntrasse in Wuppertal, hier war die Amazfit durchgehend etwas neben der Strecke. Allerdings machte auch hier die Garmin Forerunner 235 etwas Probleme, auch wenn ich das Ergebnis im Ganzen besser finde:

Ausgepickt habe ich mir hier nur einen Ausschnitt, auch wenn es sicherlich mehrere Möglichkeiten gegeben hätte. Vielleicht lag es daran, dass es hier etwas bergig war und es auch unter einer kurzen Brücke durch ging. Trotzdem: Die Garmin hatte die gleiche Bedingungen.

Die dritte und letzte Runde, die ich hervor heben möchte war eine 8,5km Runde um den Kemnader See:

Auch hier sieht die Übersicht wieder ganz gut aus – und auch hier startete der Track erst etwas später. Warum auch immer. Obwohl die Bedingungen recht gut waren (relativ wolkenloser Himmel, wenig Bäume, keine Gebäude, etc.) hatte die Xiaomi Uhr deutlich mehr Abweichungen wie die Garmin. Hier ist mir in der Mi Fit App auch ein merkwürdiger Sprung bei der Herzfrequenz aufgefallen, den ich nicht erklären kann:

Generell fand ich das Ergebnis für mich nicht befriedigend. Scheinbar merkt man hier eben dann doch den preislichen Unterschied. Für Einsteiger aber auf jeden Fall kein Kernschrott. Übrigens hatte ich mehr als diese drei Tests gelaufen, insgesamt so ca. 15 Vergleichsläufe und Fahrten und habe nur diese drei herausgepickt. Ich hatte immer die Amazfit an einem Handgelenk, die Garmin an dem anderen. Auch hier habe ich mal gewechselt.

Was kann die Uhr also noch? Benachrichtigungen! Genau, die Benachrichtigungen vom handy können auf der Uhr erscheinen. Das funktioniert auch sehr zuverlässig und ordentlich, zumindest solange keine Umlaute in der Benachrichtigung sind, denn diese können nicht dargestellt werden.

Wie schon erwähnt, kann die Uhr keine Aktivitäten exportiert werden, auch aus der App nicht heraus. Auch ein automatisches Weiterleiten bzw generell ein Weiterleiten an Strava ist nicht möglich. Komfort, den ich von Garmin gewohnt bin. Hier hilft allerdings unter iOS eine App eines Drittanbieters, „AmazTools“, die es ermöglicht Aktivitäten als GPX zu exportieren oder eben auch an Strava zu senden. Allerdings nicht automatisch, sondern manuell. Des Weiteren ist es mit dieser App auch ganz einfach weitere Ziffernblätter auf die Uhr zu übertragen.

‎AmazTools
‎AmazTools
Entwickler: Mattia Fochesato
Preis: Kostenlos+

Komm ich nun mal zu einem Fazit. Auch wenn die Uhr einen überragenden Akku (3 Wochen) hat und es viele Ziffernblätter gibt, so war für mich das entscheidende Kriterium die GPS-Genauigkeit. Diese ist zwar im großen udn ganzen ok, kann jedoch nicht mit meiner Forerunner 235 mithalten. Ich würde die Genauigkeit im generellen mal mit einem Smartphone gleichstellen. Wer damit leben kann und auch nicht so viel auf die Anzahl der Schritte wert legt, der kann für unter 50€ sicherlich zugreifen, ich für meine Verhältnisse würde lieber etwas mehr investieren.

Demnächst werde ich auch über die neuere Garmin Forerunner 245 berichten, auch wenn diese in einer ganz anderen Preisklasse spielt.

 

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