„Overnighter“ mit dem Sohn

Mein damals noch 5-jähriger Sohn hatte schon seit langer Zeit den Wunsch mit mir mal eine mehrtägige Fahrradtour zu machen. Für den Anfang wählte ich hier eine Tour mit rund 30km aus, und wählte einen Campingplatz zum übernachten in der Entfernung. Die Wahl viel auf den Campingplatz am Entenfangsee in Mülheim an der Ruhr.

Diesen Platz wählte ich bewusst aus, denn von den angeschlagenen 32km führten rund 28km abseits der Straße über den Ruhrtalradweg, den RS1 und alten Bahntrassen, die zu Radwegen umgebaut wurden. Da es auch für mich das erste mal mit dem Zelt auf dem Fahrrad losging, war ich mir noch etwas unsicher, was die Ausrüstung anging. Ein neues Zelt musste ebenfalls her, denn mein Quechua Air Family XL 4.1 ist etwas zu mächtig für dieses vorhaben 🙂 Da ich aber mit den Produkten von Decathlon immer zufrieden bin, schaute ich auch hier mal, was es so kleineres gibt. Klein und leicht, am besten unter 3 kg sollte es sein. Meine Wahl viel auf das einfache Arpenaz 3 Fresh&Black, was mit 3,2 kg zwar etwas über meiner Wunschgrenze liegt, dafür aber die Fresh&Black Funktionalität bietet, von der ich schon begeistert bin. Black müsste es noch nicht mal sein, aber das Fresh, und vor allem die zwei Ein- und Ausgänge zum durchlüften sind wichtig. Mit gerade mal 54,99 Euro ist das Zelt auch noch ein Schnapper. Gestört hatte mich auch noch etwas das „lange“ Packmaß von 57cm, aber das störte auch nur in der Theorie, später erkläre ich auch noch warum. Achja, und die mitgelieferten Stahlheringe habe ich gegen leichte Alu-Heringe von Obelink getauscht, so bin ich dann auch doch noch auf meine 3 kg gekommen. Die weitere Ausrüstung war schon vorhanden…

Ausrüstung

Fahrräder
  • Radon TCS 7.0 Trekkingrad
  • Puky 18″ Stahlflitzer
Packtaschen
  • 2x Vaude Aqua Back Gepäckträgertaschen (Radon)
  • 1x Vaude Road I Lenkertasche (Radon)
  • 1x Vaude Silkroad Plus Gepäckträgertasche
  • (Topeak Satteltasche, die einfach immer am Radon verbaut ist)
Camping-Ausrüstung
  • 1x Zelt Quechua Arpenaz 3 Fresh&Black
  • 2x Schlafsack Leicht (Aldi)
  • 1x Luftbett Doppel (Obelink)
  • 1x Akkupumpe für Luftbett
  • 1x Picknickdecke für vor das Zelt
Sonstige Ausrüstung
  • Verpflegung (Viel trinken, Müsliriegel, Süßes, was Kinder eben so mögen 🙂 )
  • Fahrradzubehör (Ersatzschläuche, Werkzeug, Pumpe, Schlösser)
  • Powerbank (Zum Laden von Garmin und Handy)
  • Kleidung
  • Ganz Wichtig: Spielsachen!

Für eine Nacht war das mehr als ausreichend… Theoretisch gesehen hätte mein Kleiner an seinem kleinen Pukyrad die Vaude Silkroad Tasche nicht benötigt, aber er wollte sie so gerne und sie passte auch perfekt. Die schweren Sachen fanden ihren Platz in den Aqua Back Taschen, leichte Sachen, Streckenverpflegung und Wertsachen in der Lenkertasche.

Los ging es dann am 29. Juni 2019, laut Wetterdienst sollte es einer der heißesten Tage des Jahres werden – mit Temperaturen um die 40°. Nunja, es war alles geplant, der Kleine wollte trotzdem los, dann konnte ich auch nicht absagen. Also packten wir die Räder zu ende und machten uns auf den Weg. Wie man hier übrigens auf den Bildern sehen kann, das Zelt habe ich quer über Gepäckträger und Packtaschen gespannt und das „lange“ Packmaß des Zeltes ist deshalb irrelevant, da ich auch mit einem kürzeren Packmaß genauso breit gewesen wäre.

Zunächst ging es in Hattingen an die Ruhr und dann auf den Ruhrtalradweg in Richtung Essen. Die Sonne knallte und es war warm, was man allerdings am meisten gemerkt hatte, wenn man stehengeblieben ist und der Fahrtwind ausblieb. Nach rund 10km machten wir die erste größere Pause (größere = länger als 3 Minuten um was zu trinken). Schließlich hatten wir ein drittel schon geschafft, und das recht flott.

Bei Essen sollten wir nun auch den Ruhrtalradweg verlassen und geradeaus weiter auf die Grugatrasse fahren. Diese führt vorbei am Grugapark, dem Messegelände und geht bis zum RS1 (Radschnellweg 1) in oder an der Grenze zu Mülheim. Hier stand auch die zweite Pause an.

Kurz nachdem es weiter ging meldete dann mein Sohn: „Papa, mein Fahrrad fährt ganz komisch“. Und in dem Moment hatte ich das Problem auch selbst entdeckt, der hintere Reifen verlor Luft. Schöner Mist. Aber ok, ich hatte natürlich einen Ersatzschlauch mit. Also wurde das Rad am Streckenrand auf den Kopf gestellt und meinen Sohn bat ich im Schatten zu warten.

Ich dachte zumindest ich habe alles nötige an Werkzeug dabei, jedoch stellte ich schnell fest, dass dies ein Irrglaube war. An den Gabelschlüssel für die Hutmuttern hatte ich gedacht, aber nicht an die 10er Mutter der Schraube, mit der die Rücktrittbremse am Rahmen verschraubt ist. Was nun? Laut Google Maps sollte der nächste Radladen nicht weit entfernt sein. Also haben wir erstmal weitergeschoben in Richtung Radladen, wo ich passendes Werkzeug bekommen sollte. Unterwegs hielten auch Radfahrer an, aber bei nem 10er Schlüssel konnte leider niemand helfen. Dann hatten wir den Radladen erreicht und ich kaufte einfach schnell einen Knochen, der alle Größen abdeckt. Vor Ort hab ich dann noch den Schlauch gewechselt, und endlich konnte es zurück auf den RS1 und weitergehen… Und Ruck-Zuck waren wir auch schon auf der Hochpromenade.

Ab hier folgte ein neues Stück des RS1, den der Teil über die Ruhr in Mülheim wurde erst vor kurzem freigegeben. Ein toller Weg, man fühlt sich etwas wie in Holland.

An der Universität haben wir dann den RS1 verlassen (er endet auch dort) und sind über wenige Nebenstraßen weitergefahren. Das letzte Stück ging es dann nochmal durch den Wald, hier war mein Kleiner teilweise etwas überfordert, es war mit einem normalen Fahrrad allerdings auch grenzwertig zu fahren. Nach dem Waldstück oder besser gesagt in dem Waldstück befand sich auch der Campingplatz und wir hatten die Hinfahrt geschafft. Dank des Umweges waren es allerdings dann auch 38km und ich war mächtig stolz auf meinen Sohn, dass er es geschafft hatte und so toll gefahren ist!

Auf dem Campingplatz wurde uns zunächst unser Platz gezeigt, auf dem wir unser Zelt aufschlagen konnten. Zum Glück konnten wir somit unser Zelt etwas im Schatten aufbauen. Auch wenn es ein Fresh&Black Zelt ist, bei ca. 40° wird glaube ich jedes Zelt ungemütlich. Schnell stand das Zelt und wir konnten erst einmal duschen gehen…

Abends gab es dann Essen vom Imbiss auf dem Campingplatz und wir entspannten etwas am See. Die Temperaturen haben uns doch ganz schön zu schaffen gemacht.

Früh ging es auch schon zu Bett und mein Kleiner schlief auch sehr schnell ein. Zunächst ohne Schlafsack, gegen 22 Uhr allerdings wurde es dann doch etwas frisch und wir wechselten in die Schlafsäcke.

Am nächsten Morgen wollten wir uns früh auf den Weg machen, damit wir noch vor der großen Mittagshitze zuhause waren. Frühstücken wollten wir unterwegs, einen kleinen Snack hatten wir ja noch dabei, um nicht nüchtern los zu müssen. Da die Rezeption des Campingplatzes Sonntags aber erst um 9 Uhr öffnet, sind wir einfach so wieder abgereist. Die (günstigen) 16 Euro Gebühr hatten wir ja auch am Vortag schon bezahlt gehabt und auf den Abwasserschlüssel hatten wir verzichtet. Nach ca. 5km vermeldete dann mein Kleiner: „Papi, ich bin jetzt schon ganz schön kaputt“. Ok, ich hatte es fast befürchtet und nun kam Plan B ins Spiel: Ich hatte die Route extra so gewählt, dass wir an mehreren Bahnhöfen vorbei kamen. Wir steuerten nun also Mülheim Hbf an, der noch ca. 5 km vor uns liegen sollte. Über den RS1 ging es dann aber wenigstens wieder gut zu fahren.

Schnell kaufte ich unsere Tickets und wir gingen zum Bahnsteig und warteten auf den Zug. Dieser kam dann auch und somit konnte es losgehen in Richtung Hattingen. Ausgestiegen sind wir aber übrigens schon in Bochum-Dahlhausen, das ist von uns aus näher.

Der Radtransport mit der Bahn war auch für mich was neues, aber es klappt alles prima. Nach weiteren 2km freuten wir uns wieder zuhause zu sein und ich denke, dieses Abenteuer werden wir beide nicht vergessen. Es schreit schon fast nach einer Wiederholung, aber nun ist erstmal seine Schwester dran. Ich werde berichten.

 

 

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